Caldo come l'inferno, nero come il diavolo, puro come un angelo e dolce come l'amore – Italiener können mit blumigen Worten und theatralischen Gesten eindrucksvoll beschreiben, wie Kaffee auszusehen und zu schmecken hat. Heiß wie die Hölle, schwarz wie der Teufel, rein wie ein Engel und süß wie die Liebe. Unter Kaffee verstehen Italiener Espresso – eine besonders lang geröstete, fein vermahlene und mit hohem Druck durch einen Filter gepresste Mischung aus Robusta- und Arabicabohnen. Deshalb wird Espresso in Italien einfach nur „caffè“ genannt.
Der Legende nach verdanken Kaffeeliebhaber das Frönen ihrer schwarzen Leidenschaft einer verfressenen Ziegenherde. Noch vor 1.000 Jahren landeten nur die Blätter der Kaffeesträucher auf den Tischen der Bauern. Die roten Kaffeekirschen galten als ungenießbar. Ein äthiopischer Hirte, der auch nach Einbruch der Dunkelheit noch große Mühe hatte, seine permanent muntere Ziegenherde im Zaum zu halten, suchte sich nach einer schlaflosen Nacht nach dem Grund für deren Ausgelassenheit. Er vermutete die Ursache in einem fast leer gefressenem Strauch mit weißen Blüten und roten Früchten. Deshalb bat er die Mönche eines nahe gelegenen Klosters um Rat. Diese sammelten die Blätter und Früchte des Strauches und bereiteten sich daraus einen Aufguss. Überrascht von dem ungewohntem Aroma und der stimulierenden Wirkung boten sie die Pflanzen auch befreundeten Klöstern an. Dort wurden Händler auf die Früchte aus der Region Kaffa aufmerksam. Die Händler merkten schnell, dass sich mit einem höheren Aroma auch ein höherer Preis erzielen ließ. Nach verschiedenen erfolglosen Versuchen entfernten sie das Fruchtfleisch der Kaffeekirsche und rösteten deren Samen.
Eigentlich ist Kaffee als schwarzes Getränk des Orients bekannt. Der erste Kontakt der Araber mit den exotischen schwarzen Bohnen ist wahrscheinlich auf afrikanische Sklavenhändler zurückzuführen. Über die arabischen Gewürzhändler kam der Kaffee an die europäischen Höfe. Auch das vermögende Bürgertum nutzte die Chance, Gästen mit einer Kanne Kaffee, ihren Reichtum zu präsentieren. Die Holländer ärgerten sich am meisten über die extremen Preise des importierten Kaffees. Sie schafften es noch vor den anderen Kolonialmächten, einige Setzlinge aus der arabischen Welt in ihre Kolonien zu bringen. Bei dem reichlichen Niederschlag und in der tropischen Wärme fand der Kaffee dort ideale Wachstumsbedingungen. Länder wie Brasilien, Kolumbien und Mexiko zählen zu den wichtigsten Kaffee produzierenden Ländern.
Seitdem wurden nicht nur die Röstprozesse optimiert. Zunehmend werden auch die Lebensbedingungen der Bauern und der Anbau der Kaffeepflanzen kritisch hinterfragt. Heute beträgt die Menge des weltweit biologisch angebauten Kaffees erst ungefähr 1% des Weltmarktes. Viele europäische Bio-Unternehmen unterstützen deshalb Kaffee-Bauern auf der ganzen Welt bei der Umstellung auf biologische Landwirtschaft. Die Überzeugungsarbeit ist nicht immer ganz einfach, denn trotz höherem manuellen Aufwand, sinkt der Ernteertrag. Bio-Kaffee bedeutet nicht nur den Verzicht auf synthetische Düngemittel, Insektizide und Pestizide. Schattenbäume müssen angepflanzt und die Kaffeesträucher mit Nutzpflanzen durchmischt werden. Letztendlich profitiert aber nicht nur die Natur. Auch die Gesundheit der Bauern, die häufig inmitten ihrer Plantagen leben, ist nicht mehr den Gefahren chemischer Spritzmittel ausgesetzt. Viele Bio-Bauern erhalten Verträge, die ihnen eine Abnahme ihrer Kaffeebohnen zu kalkulierbaren Mengen und Mindestpreisen garantieren. So sind sie nicht den schwankenden Weltmarktpreisen und unsicheren Abnahmemengen ausgesetzt. Zudem achten die Hersteller, aber auch Organisationen wie Fairtrade, auf die Einhaltung sozialer Arbeitsbedingungen, auf das Verbot von Kinderarbeit und unterstützen den Aufbau sozialer und ökonomischer Infrastrukturen.
Während die frischen Bohnen zum Rösten in viele Länder der Welt geschickt werden, vertrauen Italiener ausschließlich dem in Italien geröstetem Espresso. Dafür erfreuen sie die Welt mit immer neuen verführerischen caffè-Kreationen: Doppio (doppelter Espresso), Caffè macchiato (Espresso mit aufgeschäumter Milch), Caffè latte (Espresso mit heißer Milch), Caffè freddo (eisgekühlter und gesüßter Espresso) und nicht zu vergessen: den Caffè corretto. Dieser Espresso enthält zusätzlich einen Schuss der beliebtesten landestypischen Schnapssorte. In Italien sind das Grappa, Amaretto oder Sambuca, in anderen Ländern Weinbrand, Brandy oder Whiskey. So kann man nach dem Essen den Magen nochmals streicheln und den Gaumen verwöhnen.